Die Geschichte der Pfarrei Oberaichbach
Der Gau Aichbach wird erstmals 916 erwähnt. Damals hat die Pfarrei bereits bestanden. Das Patrozinium St Peter und Paul lässt an eine Urpfarrei denken. Ist hier zuerst eine Holzkirche gestanden? Ich denke hier an die Geschichte von St Margareth (vor 1 000 n.Chr): dort weisen vier ausgebrannte Pflöcke in der Erde darauf hin, dass eine kleine Holzkirche gestanden hat.
911 ist eine Schlacht mit den Ungarn bei Loiching; die Ungarn sind durchgezogen und haben vieles (auch die Kirche?) niedergebrannt.
955 ist die Schlacht auf dem Lechfeld; der Hl. Ulrich kann die Ungarn besiegen; er bittet den Hl. Wolfgang als Missionar nach Ungarn zu gehen.
Im 11/12 Jahrhundert war Oberaichbach ein herzogliches Lehen. Im Jahre 1286 vertauscht Bischof Heinrich II von Regensburg den Ort und das Patronatsrecht an der Kirche Aichpach an Erzbischof Rudolf von Salzburg.
Hartprecht der Harskircher, der letzte seines Namens und Stammes vermacht die Kirche Oberaichbach dem Stift Altötting. Im nachhinein (1423) hat Herzog Heinrich XVI. dies beurkundet. Bischof Konrad VI. von Regensburg hat im Jahre 1431 die Pfarrei Oberaichbach dem Stift Altötting einverleibt. Damit ist klar, wer die Pfarrei besetzt – bis zur Säkularisation, zur Aufhebung der Klöster im Jahre 1803. Bis 1928 hat der bayrische Landesherr das Besetzungsrecht ausgeübt.
Oberaichbach ist fast 500 Jahre lang eine Hofmark gewesen; um 1350 hat Herzog Stephan dem Ministerialengeschlecht der Deutenkofer das Dorfgericht verliehen.
Im 13. jahrhundert hat „Oberkirchen“ dem Stift Niedermünster in Regensburg gehört. Aber im Ort ist auch eine Kirche gestanden. (1159 wird Rutmarsdorf erstmals urkundlich erwähnt – nächstes Jahr 850 Jahre!) 1559 ist Georg Gertzner Pfarrer hier gewesen; er ist todkrank, hat aber die Kirche St Peter (nicht Peter und Paul) und den Pfarrhof in gutem Zustand. Lediglich das Kirchendach müsste neu gedeckt werden; das Gotteshaus ist „wol orniert“ (schön geschmückt und wird mit dem Friedhof sauber gehalten. Alles ist „on mengl“
Nach der Visitation im Jahre 1589/1590 war der Hochaltar den Aposteln Petrus und Paulus geweiht; die Seitenaltäre der Hl. Kathrina und den Sieben Schmerzen Mariens.
Nach der Beschreibung von 1665 sind die Altäre den hl Petrus und Paulus, dem Hl. Sebastian und der dritte Altar der Hl. Barbara, , Margaretha u Magdalena geweiht. Wie in vielen Pfarreien gibt es auch hier eine Sebastiani-Bruderschaft.
In der Bistumsbeschreibung von 1723/1724 werden hier 15 Prozessionen aufgezählt:
- am Georgstag nach Oberviehbach (23. April)
- an St Markus nach Adlkofen (25 April)
- an St Florian nach Kirchberg (4. Mai)
- an St Margareth nach Reichersdorf
- am 2. Bittag nach Reichersdorf
- am 3. Bittag nach Harskirchen
- am 4. Bittag nach Kirchberg
- am Tag nach Christi Himmelfahrt um die Feldfrüchte
- am Pfingstmontag nach Hl. Kreuz in Landshut,
- am Pfingstdienstag nach Frauenberg
- an St Vitus nach Mettenbach 15. Juni)
- an St Johannes und Paulus (26. Juni) nach Eschlbach
- an St Laurentius nach Wörth (10. August)
- am Fest Maria Himmelfahrt nach Niederviehbach
In der Bistumsbeschreibung von 1723 wird die Kirche kurz beschrieben: Am Hochaltar ist die Muttergotes dargestellt, flankiert von St Peter und Paul. Auf den Seitenaltären sind St Sebastian und St Katharina dargestellt. Die Pfarrei zählt 400 Gläubige.
Ein besonderer Tag ist der Dreikönigstag von 1733 gewesen; zwischen ein und zwei Uhr nachmittags trägt sich hier folgendes zu: Der Pfarrer betet gerade mit seiner Gemeinde den Rosenkranz, als es „förchtlich zu krachen und brechen anfing. Es war, als müssten alle in der Kirche ihr Leben einbüßen“. Ein großer Tumult entstand, „die meisten sind im Gotteshaus hin- und hergeloffen und haben erbärmlich zu schreyen angefangen“ Am anderen Tag hat der Pfarrer den oberen Kirchenboden abstützen lassen, was aber nach Aussage des Zimmermeisters den zu befürchtenden „Einfahl (Einsturz) der Kirche nicht verhindert könne. Das allergrößte Unglück sei zu befürchten. Die Kirche sei in einem erbarmungswürdigen Zustand. Der Pfarrer schildert dies in einem Brief an den Landrichter in Teisbach, verbunden mit der „untertänigst“ vorgetragenen Bitte, man möge höheren Orts um Hilfe nachsuchen. Auch die Friedhofmauer sei so schadhaft, dass das Vieh mit größtem Ärgernis auf den Gräbern herumzulaufen beginne.
Wer gut jammert, kommt voran; im Spätherbst schon und im darauffolgenden Jahr liegt ein Kostenvoranschlag (4123 Gulden) und der Auftrag zum Neubau vor.
Doch so schnell geht es nicht: der Bau verzögert sich: Die Kirchen in der Umgebung können nichts beitragen.
Die „Landschaft“ (Vertretung des Adels, der Städte und der Klöster in Bayern) zahelt 2325 Gulden; den Rest bringen die Kirchenstiftungen der Landgerichte Vilsbiburg, Natternberg, Eggenfelden Neumarkt , Griesbacah, Dingolfing, Teisbach und Erding auf. Der Kurfürst trägt nichts dazu bei. Bis 1744 steht endlich die Kirche.
Text: BGR Johann Babel
